Maria

mariaEs ist ca. ein Uhr in der Nacht. Ich wache auf. Es ist eine ungewöhnliche Nacht. Irgendwas ist anders. Etwas stimmt nicht! Während ich auf dem Weg aus meinem Bett ins Wohnzimmer bin, kommt mir meine Mutter auf halbem Weg entgegen. Ihr Gesicht ist ganz rot und tränenüberströmt. Mit zitternder Stimme erzählt sie, was mein Leben für immer verändern wird: „Dein Bruder Matt ist bei einem Autounfall gestorben!“ Die nächsten Minuten kommen mir wie eine halbe Ewigkeit vor. Wie in Trance nehme ich diese Information auf. Ich breche innerlich zusammen, kann es nicht fassen und falle schließlich meiner Mutter in die Arme.

Matt war mein neun Jahre älterer Bruder. Ein betrunkener Wehrdiener hatte das Auto eines Freundes seitlich gerammt – Matt war Beifahrer. Noch an der Unfallstelle erlag er seinen Verletzungen. Für lange Zeit noch ist dies alles wie ein Traum für mich. Ich kann die Tatsache, dass er nicht mehr bei uns ist, nicht begreifen. Lange kämpfe ich mit den Gegebenheiten. Ich hoffe, dass alles nur ein schlechter Film ist! Aber die Realität holt mich schrittweise ein. Ich denke viel über Matt und sein Leben nach. Matt glaubte an Gott. Ich hingegen fühle mich so leer und gottlos. Er hatte in Jesus seinen Erretter, seine Freude und seine Erfüllung gefunden.

Speziell nach dem Tod meines Bruders begann ich mehr über den Sinn des Lebens nachzudenken. Konnte das wirklich alles sein? Mir schien das Leben einfach so sinnlos. Wenn ich lebe, damit ich am Schluss bloß unter ein schönes Grab komme, was soll dann das alles? Im Leben muss es doch mehr geben, als ein paar Vergnügungen nachzulaufen, nur um diese Sinnlosigkeit zu verdrängen…  In meinem Leben suchte ich nach der Erfüllung meiner Sehnsüchte; nach einem Leben, das sich zu leben lohnt. Ich suchte meine Erfüllung in meinem heiß geliebten Pferd, bei Freunden, in der Natur, in der Einsamkeit. Zu Hause wollte ich so wenig wie möglich Zeit verbringen. Die Familie war für mich nicht vollständig ohne Matt. Vielleicht wurde mir zu Hause auch einfach die Realität des Verlustes und der Veränderung schmerzhaft bewusst. So floh ich davor.

Verzweifelt suchte ich weiter einen Halt im Leben und fand keinen. Auch Gott schien mir diesen nicht geben zu können. Dennoch erinnerte ich mich in der besagten Zeit öfter daran zurück, wie meine Familie ein Leben mit Gott lebte. Besonders tief berührte mich zu jener Zeit das Vorbild meiner Eltern: Sie konnten dem Unfalllenker vergeben und luden ihn kurz nach dem Ereignis sogar zu einem Versöhnungsessen ein. Ich empfand es als sehr außergewöhnlich. Woher nahmen sie die Kraft so zu reagieren?!

Matt, meine Familie und auch andere Freunde lebten mir nicht nur ein Leben mit Jesus vor, sondern erzählten mir auch von Jesus, dass ER die Freude und den Frieden in mein Leben bringen könnte; eine Freude und eine Liebe, die nicht von äußeren Umständen abhängt. Letztlich verdrängte ich es, denn es hätte Veränderung in meinem Leben bedeutet, von deren Sinn ich (noch) nicht überzeugt war.

Dennoch betete ich: „Gott, wenn es dich wirklich gibt, dann zeig dich mir!“ Ich wollte wissen, ob Gott Realität ist und wofür es sich lohnt zu leben. Wie soll es mit meinem Leben weiter gehen? Um Antworten auf meine Fragen zu bekommen, musste ich aber auch Akzente setzen und zu suchen beginnen. Ich begann die Bibel zu lesen und setzte mich auch mit anderen guten Bücher über Gott auseinander. Dadurch wurde mir klar, dass er mit jedem von uns Gemeinschaft, ja eine echte Beziehung haben möchte. Als mir das Herz für diese Wahrheit aufging, fühlte ich mich… einfach unbeschreiblich!

Kurz darauf durfte ich diese Freude in Gott und „den Frieden, der jeden Verstand übersteigt“ (Philipper 4,7) erleben. Ein Glück, das schwer (in Worte) zu fassen ist.

Obgleich viele nach außen gute Menschen sind, kommt bei jedem einmal der Augenblick, an dem er versagt, oder etwas tut, das er vielleicht zutiefst bereut. Solche Fehler machen mich immer todunglücklich. Wie kann mich in diesem Zustand irgendjemand mögen? Wie könnte ein liebender Gott mich gern haben, nachdem ich so gescheitert bin? Mein Versagen entmutigt mich oft über die Maßen. Danach fühle ich mich Gott und der Welt noch ferner und die Zukunft keinesfalls erstrebenswert. So wie ich empfinden viele Menschen, die im tiefsten Herzen schwere Last auf der Schulter tragen, weil sie Schuld in ihrem Leben haben, für die sie keine Vergebung erleben.

ABER wie Klaus Vollmer sagt: „Es ist einfach nicht mehr zeitgemäß, wenn Menschen an sich und ihren Nöten zerbrechen, es muss keiner an seiner Schuld und seinem Jammer zugrunde gehen. ER (Jesus) ist hier gegenwärtig, der gesagt hat: „Wer zu Mir kommt, den werde Ich nicht hinausstoßen. (Die Bibel, Johannesevangelium Kapitel.6 Vers 37) … Das ist unsere neue Lage. Und ich frage, ob wir diese neue Lage zur Kenntnis nehmen wollen? Alle Überwindung der menschlichen Not und Einsamkeit beginnt mit dem Ernstnehmen dieser Botschaft.“

Um das und Gott besser verstehen zu können, müssen wir uns mit Gott und der Bibel beschäftigen. Gott lässt sich nicht schnell mit ein paar wenigen Worten beschreiben, aber er zeigt sich jedem, der ihn darum bittet! In der Bibel, durch die Gott direkt zu uns spricht, redet er deutlich mit uns. Gleichzeitig finden sich dort Lösungen für unsere Situation und Antworten auf Fragen, die in unserem Herzen brennen.